Vor ein paar Tagen habe ich beim Wühlen in Bernds Sachen etwas gelesen, das mir sehr zu schaffen gemacht hat. Der Bernd hat mehrere Briefe geschrieben. Einer davon ist an den Staatsanwalt des Zentralbezirks Moskau adressiert. Darin steht unter anderem
- Ich möchte meine Sorge darüber ausdrücken, dass es sich bei Nadezhda Tolokonnikova, Maria Alekhina und Ekaterina Samutsevich möglicherweise um gewaltlose politische Gefangene handelt, die allein aufgrund der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert und angeklagt wurden.
- Bitte lassen Sie die Frauen umgehend und bedingungslos frei.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass das Recht der drei Frauen auf ein faires Gerichtsverfahren geachtet wird.
Ich wusste nicht so recht, was das sollte und habe nachgeforscht. Auf der Seite von Amnesty International, eine Organisation, die sich für die Rechte aller Menschen auf der Welt einsetzt, bin ich fündig geworden. Der Bernd hat den Brief geschrieben, weil mal wieder eine große Gemeinheit passiert. Eine russische Frauen-Punkband, “Pussy Riot”, ist nämlich in einem russischen Gefängnis eingesperrt und das anscheinend nur, weil sie öffentlich ihre Meinung gesagt haben. Im ersten Moment ist mir ganz schlecht geworden, weil ich doch auch immer so meine Meinung rausposaune. Bisher habe ich doch nicht gewusst, dass man fürs Meinung sagen ins Gefängnis kommen kann! Ich konnte danach gar nicht mehr schlafen, so schlimme Bauchschmerzen hatte ich bekommen. Der Bernd hat dann gemerkt, dass was nicht stimmt und hat mich gefragt. Ich habe dann gebeichtet, dass ich beim Schnüffeln den Brief gefunden habe und dass er auf keinen Fall zulassen darf, dass ich auch ins Gefängnis komme. Zum Glück war der Bernd gar nicht böse auf mich: „Ach JUPI“, hat er gesagt, „wer dich einsperren will, der muss erst einmal an mir vorbei!“ Da war ich ganz schön froh darüber und dann hat mir der Bernd erklärt, wie das so ist, mit der Meinung.
Jeder auf der Welt sollte das Recht haben, seine Meinung zu äußern – auch wenn die nicht immer alle mit einem Teilen. Es gibt auch Grenzen, aber darüber wollte der Bernd ein anders Mal mit mir sprechen. In Russland zum Beispiel sehen es manche Politiker nicht gerne, wenn man seine Meinung sagt. Vor allem dann nicht, wenn die Machthaber befürchten, ihren Einfluss zu verlieren. Und so ist es in dem Fall der Gruppe „Pussy Riot“. Diese sind nämlich nicht einer Meinung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und das gefällt dem wohl gar nicht… Trotzdem ist es nicht in Ordnung, dass die Frauen der Punkband „Pussy Riot” im Gefängnis festgehalten werden. Es ist richtig und wichtig, seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Und mutig ist es vor allem. Denn nicht jeder traut sich zu sagen, was er wirklich denkt, aus Angst vor ungerechten Strafen. Und deshalb ist es umso bedeutender, denen, die den Mut haben sich zu äußern, nicht den Rücken zu kehren. Nicht zu denken, „hätten sie es halt nicht gemacht, die sind doch jetzt selber schuld“. Sondern man muss diesen Menschen mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, helfen. Deshalb hat der Bernd die Briefe geschrieben. Das ist das Mittel von Anmesty International, diesen mutigen Frauen zu helfen. Und das hier ist mein Mittel: indem ich Euch davon erzähle.
Ich hoffe, dass die Frauen eine faire Chance bekomme sich zu verteidigen und dass es ihnen gut geht und sie wissen, dass man sie nicht einfach ihrem Schicksal überlässt. Und, dass sie, wenn alles vorbei ist, immer noch den Mut auf eine eigene Meinung haben! Ich auf jeden Fall nehme mir vor, meine Meinung weiterhin zu sagen, auch wenn es manchmal Bauchschmerzen macht. Und wenn ich doch mal falsch liege, dann sagt mir das sicher der Bernd – oder vielleicht auch einer von Euch.
Euer JUPI
